Die Stadt Poesie aus und über Pritzerbe Die geheimnisvolle Geschichte vom Pfarrstall
Die Stadt Pritzerbe - Ihre Geschichte von damals bis heute - Geschichten, Erzählungen und Poesie
Die geheimnisvolle Geschichte vom Pfarrstall
Poesie aus und über Pritzerbe
Geschrieben von: Ingo Scheffler   
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Die geheimnisvolle Geschichte vom Pfarrstall
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Vorwort

Sagen, Mythen und Legenden ranken sich um viele Dinge! Aber gibt es sie auch bei uns? Ich glaub schon! Dies ist der Versuch solch einen Fall zu schildern, der sich so oder so ähnlich sich zugetragen haben könnte. Einige Umstände sprechen dafür, einige klingen vielleicht mysteriös, aber keiner spricht dagegen.

 

 


 

Man schreibt etwa das Jahr 1850. In der kleinen Stadt Pritzerbe, nord-westlich von der Stadt Brandenburg, gab es schon viele Jahre ein Pfarrhaus. Es befand sich auf einem großen Grundstück, in der Nähe des Marktplatzes. Dieser wurde damals, der „Priesterberg“ genannt. Das Pfarrhaus hatte den letzten Großbrand in der Stadt überstanden, wobei die Stallungen, Scheunen und ein Großteil der Wohnhäuser im Ort völlig zerstört wurden. Die Kirchengemeinde verfügte über sehr viele Wälder, Äcker, Wiesen und Ländereien.

 

Jedoch waren die guten Zeiten schon seit längerem vorbei.

 

Dem Handwerk fehlten die Aufträge, der Handel auf dem Lande verlief eher bescheiden. Das Essen war knapp und die Spendengelder, die an die Kirche flossen, reichten nicht mehr aus, alle Pfarrstellen im Land zu unterhalten.

Aus diesem Grunde beschloss der Kirchenrat, den Bau von neuen Stallungen für die Gemeinde. Man konnte das große Grundstück, des Pfarrhauses dazu nutzen und sich zukünftig wieder selbst versorgen. Bald war man sich einig! Ein Stall musste gebaut werden, der Platz bot um in ihm Pferde und Kühe zu halten. Federvieh sollte ebenfalls angeschafft werden. Somit musste auch das Stroh und das Futter für die Tiere gelagert werden. Der Kirchenrat erwog bereits bei der Planung die Kosten und überlegte wie man diese senken könne.

Man kam zu dem Ergebnis, dass man das Bauholz aus den Kirchenwäldern im benachbarten Domstiftgut „Seelensdorf“ schlagen und die Ziegel aus den umliegenden Ziegeleien beziehen könne. Zum Bauen würden man ausschließlich Gewerke aus der Nachbarschaft verpflichtet. So könne das ausgegebene Geld den eigenen Kirchenmitglieder zu Gute kommen.

Der Beschluss wurde gefasst und in Auftrag gegeben. Anfang Herbst wurden die ersten Bäume gefällt und in die zwei hiesigen Sägewerke verbracht, um das Bauholz dort zu schneiden. Im darauf folgenden Frühjahr wurden die Fundamente ausgehoben und gelegt, genau hier beginnt die Geschichte!

4 Maurer und 2 Steinsetzer arbeiteten an den Fundamenten. Des Weiteren verdingten sich beim Bau auch täglich 2-3 Tagelöhner, man nannte sie damals auch scherzhaft 3-Groschenarbeiter. Sie schaufelten, karrten und gingen den Gesellen zur Hand. Es wurde bergeweise Erde bewegt. Unter den Maurern werkelte auch ein Hüne von knapp 6 Fuß*, der 28 jährige Karl Friedrich Franz Golm aus Fohrde. Er war eine etwas zwielichtige Gestalt. *1 preußischer Fuß = 31,385 cm (5/16 m)

Ein geschickter Handwerker, doch man sagte ihm einige Missetaten nach. Die man ihm aber nie nachweisen konnte. So wurde er des Öfteren in der Nähe des See beobachtet und an den nächsten Tagen fehlten den Fischern einige Reusen, waren leer oder beim plündern zerrissen worden. Auch wurden in den Wälder einige Fallen und Schlingen gefunden und man erzählte sich, er sei ein einfallsreicher Wilddieb und schleiche oft durch die Wälder. So könnte man sicherlich noch weitere „Zufälle“ aufführen. Aber über Eines ist man sich sicher. Diese Schandtat hat er begangen!

Am Dienstagmorgen, nach der Brotzeit, nähert sich eine Kutsche dem Pfarrhof. Ein schwerer Wagen gezogen von 2 prächtigen Haflingern. Solch ein stattliches Fuhrwerk, erregte schon damals viel Aufmerksamkeit!

Als das Gespann auf den Hof einbog wird es von allen bestaunt. Die Arbeiter beobachten neugierig und interessiert das Geschehen. Der Fuhrmann sprang von seinem Bock, geht zur Ladefläche und zog die schwere Plane zur Seite. Der Wagen war bis oben hin voll gestapelt mit Kisten und Fässern. Die Kisten waren voller Flaschen und die Arbeiter stellten schnell fest. Es ist die Messweinlieferung. Der Neugier befriedigt wandten sie sich wieder ihrem Fundament zu, um das Tageswerk voranzutreiben. Als der Pfarrer Mathäus Leonardo Boppeline, die Hufschläge der Pferde hörte, kam er eilig aus dem Haus. Dieses bewohnte er seit einigen Jahren zusammen mit seiner Frau und den 3 Kindern, die allesamt prächtige Burschen waren. Ein kurzes Gespräch mit dem Fuhrmann, danach betrachtete er sich die Ware. Geschickt zog er eine Geldbörse unter dem Talar hervor und bezahlte den Händler. Sie verschwanden beide im Keller, um dem Lieferanten zu zeigen, wohin die Kisten mit den Flaschen sollten. In dem Moment als sie wieder aus dem Haus kamen, eilte laut bellend der Hund heran. Die Pferde erschraken sich vor „Gustav“, dem Schäferhund des Pfarrhofes. Eigentlich ein liebes Tier, den man sich angeschafft hatte um Gesindel und Schnorrer vom Hof fern zu halten. Aber der Anblick der stattlichen Haflinger machte ihn neugierig und verunsicherte ihn zugleich, so dass er aus einiger Entfernung das Fuhrwerk ankläffte. Die Rösser ihrerseits wieherten unruhig, schnaubten wild durch ihre Nüstern und ergriffen die Flucht nach vorn. Der Hof, durch die Bauarbeiten ziemlich eingeengt, bot nicht wirklich viel Raum für eine Flucht.

Sie zerrten den Wagen scharf nach rechts, direkt auf eine Lücke im Zaun zu und steuerten direkt in Richtung Kirche. Der Kutscher erkannte blitz-schnell die gefährliche Situation und rannte sehr hastig hinterher. Er ergriff auf der rechten Seite die Zügel und stemmte sich mit seinem ganzen Gewicht dagegen: „Brrr, Lotte, Brrr Lisa, Brrrrrrrrr ihr verdammten Gäule. Bleibt stehen!“. Lotte bäumte sich auf und schlug mit den Vorderläufen wild in der Luft. Sie traf den Fuhrmann mit voller Wucht, so dass dieser in einem hohen Bogen zur Seite flog. Aufgeschreckt durch den Lärm ließen die Bauarbeiter ihr Werkzeug fallen und eilten ihm zur Hilfe. Einige hielten die Pferde fest und redeten beruhigend auf sie ein. Karl und sein Lehrling Wilhelm kümmerten sich um den Fuhrmann. Seine Verletzungen waren leichter als man es zunächst vermutete. Jedoch beim Aufhelfen stellte man auch ohne Medikus schnell fest, dass seine linke Schulter ausgekugelt war. Da auf den Baustellen Unfälle fast Alltag waren, wusste man sich in einigen Fällen zu helfen. Ein geschickter Handgriff von Karl, ein Knirschen und schon war der Arm wieder „pass-recht“. Der Fuhrmann schrie laut auf und wand sich vor Schmerzen. Seine Schulter wurde bandagiert und fürs Erste ward ihm geholfen. Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, stellte sich noch eine Frage. Der Wein stand noch immer auf dem Wagen - musste aber in den Keller. Dem Pfarrer war solch eine Arbeit nicht zuzumuten und der Kutscher? Der war dazu nicht mehr in der Lage. Karl und Wilhelm boten sich an, den Wein in den Keller zu bringen. Es gab keine Einwände, denn jemand musste den Wein in den Keller tragen. 20 Kisten leckeren Weines trugen die beiden mit Leichtigkeit hinunter, denn sie waren die Buckelei ja gewöhnt. Bei jedem Gang in den Keller sahen sie sich etwas genauer im Keller um. Der Keller hatte viele Räume und Verschläge. Überall standen Regale voller Kram, Obst und Eingewecktem. Karl sah ein offenes Kellerfenster das genau zur Nische unter den Haupteingang des Hauses führte musste und dachte noch: „ Wie leichtsinnig“. Da plötzlich überkam ihn ein teuflischer Plan.



 
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